Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

MAp meets Verena Kern Nyberg, die Geschäftsführerin der Sinn & Gewinn Hotels

Heute freuen wir uns sehr Verena Kern Nyberg, die Direktorin der Sinn & Gewinn Hotels zu treffen. Fünf engagierte Frauen gründeten 1998 die gemeinnützige Aktiengesellschaft Frauenhotel AG, die hinter den Sinn & Gewinn Hotels steht. Gemeinnützig heißt, dass Gewinne nicht an die Aktionär*innen ausgeschüttet, sondern in die Weiterentwicklung des sozialen Unternehmertums investiert werden.

Liebe Frau Kern Nyberg, herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch genommen haben. Können Sie unseren Lesern einen kurzen Einblick geben, wie es den Sinn & Gewinn Hotels in dieser außergewöhnlichen Zeit geht?

Wir können es vielleicht so umschreiben: es ist ein Auf-und-Ab auf tiefem Niveau. Das „Auf“ steht dabei für die Hoffnung am Horizont. Der Lockdown hat uns stark getroffen, von einem auf den anderen Tag hatten wir keine Gäste mehr und sahen uns im Frühjahr 2020 leider gezwungen, unsere Hotels bis Pfingsten zu schließen. Mit Ausnahme von zwei Pensionen, wo wir vor allem Dauermieterinnen beherbergen. Der darauffolgende Sommer war passabel und wir konnten uns mit viel Sparen und guter Planung über Wasser halten. Seit der zweiten Welle stehen wir wieder fast so schlecht da, wie beim ersten Lockdown. Was uns jetzt allerdings hilft die Hotels geöffnet zu lassen, sind die Long-Stay Konzepte, die wir im Sommer entwickelt haben.

Wer nicht kämpft,
hat schon verloren!
@verenakernnyberg
via@weareMApeople


Sie haben die Langzeitgäste in ihren Pensionen erwähnt. Weiters wissen wir, dass sich die Gruppe einem gemeinnützigen Wirtschaften verschrieben hat. Können Sie unseren Leserinnen das Konzept der Sinn & Gewinn Hotels etwas genauer erläutern?

Die Sinn & Gewinn Hotels sind vor 20 Jahren mit der Ursprungsidee gestartet, Arbeitsplätze für Frauen mit erschwerten Bedingungen zu schaffen. Das LADYs FIRST Hotel im Seefeld in Zürich wurde als erstes geöffnet und feiert 2021 das 20-jährige Jubiläum. Mit der Zeit wurden weitere Betriebe übernommen, immer mit dem Ziel Frauen mit psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen einen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Da wir in den Pensionen weniger Frauen anstellen konnten, haben wir dort den sozialen Nutzen bei den Bewohnerinnen integriert: ein Drittel der Zimmer sind immer für Frauen in Not- oder Übergangssituationen reserviert.

Wenn wir bei MAp Hotelkonzepte und Marken entwickeln, fragen wir uns immer, was der größere Zweck, der „Purpose“ jeder Unternehmung ist. Seit dem letzten Jahr haben wir festgestellt, dass die Sinnfrage vermehrt auftaucht und auch von einer breiteren Mehrheit diskutiert wird. Wie haben Sie diese Entwicklung miterlebt?

Was ich in den vergangenen Jahren vor allem gesehen habe ist, dass dies nicht mehr nur für den Verkauf des Produktes wichtig ist. Der sich am schnellsten bewegende Markt ist für mich der Human Resources Markt, also der Mitarbeitermarkt. Ich habe den deutlichen Eindruck, dass wir als Sinn & Gewinn Hotels einfacher Mitarbeiter finden und halten können, da wir eben auch Sinn haben und nicht nur Gewinn. Und es bei uns ganz allgemein einfach ein menschlicheres Arbeiten ist, als in vergleichbaren, anderen Hotels.

Beim Konzept der Sinn & Gewinn Hotels spielen Frauen eine zentrale Rolle. Wie haben Sie die Veränderung der Bedürfnisse Ihrer weiblichen Gäste in den letzten Jahren wahrgenommen?

Ich glaube nicht, dass sich die Bedürfnisse an sich fundamental gewandelt haben, der Umgang mit den eigenen Ansprüchen hat sich jedoch stark geändert. Heute werden Bedürfnisse freier und klarer geäußert als früher. Und was wir ebenfalls feststellen: es gibt viel mehr allein reisende Frauen, im Business- als auch im Leisure-Bereich.

Wie hoch ist der Prozentanteil von weiblichen Gästen in Ihren Hotels?

Das LADYs FIRST Hotel ist unser einziges Hotel, in welchem am Anfang nur Frauen begrüßt wurden. Seit 2002 ist das nicht mehr der Fall – Frauen wie auch Männer sind herzlich willkommen.

Zwischenzeitlich haben wir sogar mehr Männer als Frauen zu Gast. Das lässt sich durch Business-Reisende unter der Woche erklären, wo der männliche Anteil noch stark überwiegt. Wenn man den Anteil allerdings mit anderen Hotels im gleichen Segment vergleicht, schöpfen wir einen großen Anteil von weiblichen Business-Reisenden ab.

Nicht nur das Segment der Geschäftsreisen wird mehrheitlich von Männern dominiert, sondern auch die Hotellerie. Auch hier hat es seit 2020 starke Veränderungen gegeben. Was können wir alle tun, um (junge) Frauen zu motivieren in der Hotellerie zu arbeiten und die Geschlechter-Diversität zu fördern?

Das ist ein wirklich großes Thema. Als Frauen können wir z.B. damit anfangen, bereits kleinen Mädchen zu zeigen, was wir alles erreichen können. Ich bin der Überzeugung, dass viel damit zusammenhängt, welche Vorbilder Kinder sehen. Ich habe früher nicht viele Hotel-Direktorinnen wahrgenommen, finde allerdings, dass sich institutionell viel getan hat. Deswegen bin ich auch gerne bereit, Interviews wie dieses zu geben – ganz allgemein mein Gesicht zu zeigen. Dazu ermutige ich auch jede andere Frau!

Wir verlassen kurz die Gegenwart. Welche Hoffnungen haben Sie für 2021, für die Zukunft?

Unabhängig davon, wie sich jetzt die Pandemie entwickelt, ist meine Hoffnung, dass ein kultivierter und mit Fakten unterfütterter Diskurs geführt wird. Dass nicht die „Hobbyvirologen“ das Ruder übernehmen und das Ganze noch mehr mit Gerüchten, „Fake News“ und Verschwörungen nähren. Ich wünsche mir einen Sieg der Vernunft.

Wir bei MAp sagen oft, wenn „Shit happens, Shift happens“. In unseren letzten Blogbeiträgen haben wir versucht aufzuzeigen, wie viele Möglichkeiten es in dieser Krisenzeit gibt. Was hat Ihnen die Corona-Zeit an Positivem gebracht? Welche Erkenntnisse haben Sie daraus gezogen?

Unglaublich viel Engagement, Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, vorausschauendes Denken: Was brauchen wir jetzt? Wo müssen wir ansetzen? Wir haben Sachen gemacht, probieren sie immer noch und ändern Dinge wieder, all das wäre für mich vor einem Jahr nicht vorstellbar gewesen. Ich persönlich kann sagen, ich wachse an dieser aktuellen Situation.

Wir bei MAp sind Experten in der Konzept- und Markenkreation und stellen oft fest, dass wenn alles „läuft“, langfristige Themen wie Strategieentwicklung, Positionierung, etc. gern zur Seite geschoben werden. Dazu haben wir gleich eine Doppelfrage. Zum einen: Wie sehen Sie diese Entwicklung im Markt? Und die zweite Frage: Was ist für Sie persönlich ein gutes Hotelkonzept?

Markt ist der Ort, wo Nachfrage und Angebot aufeinandertreffen. Die Nachfrage ist am Boden und daraus ergibt sich, dass die Anbieter sich umso mehr anstrengen und positionieren müssen. Jene Anbieter, die mit Einsatz nach vorne schauen und nicht den Kopf in den Sand stecken, brauchen mehr als je zuvor eine Positionierung und klare Ausrichtung. Hotels, die für sich die Hoffnung sehen, dass sie aus dieser Krise rauskommen können, die klemmen sich jetzt hinters Konzept und die Positionierung.

Und um die zweite Frage zu beantworten: Für mich ist ein gutes Hotelkonzept, wenn die werbliche Aussage auf der Webseite mit dem übereinstimmt, was ich vorfinde, wenn ich ins Hotel gehe. Weiters sollen dann auch noch die Mitarbeitenden zum Ganzen passen und voll und ganz hinter der Hotel-Philosophie stehen. Ein gutes Hotelkonzept ist somit für mich, wenn alles aus einem Guss und in sich eine runde Sache ist.

Was möchten Sie unseren Lesern noch mit auf den Weg geben?

„Wer kämpft, kann gewinnen. Wer nicht kämpft hat schon verloren.“ Das ist eigentlich so mein Spruch und ich glaube im Moment passt der ganz gut.

About Verena Kern Nyberg:

Frau Kern Nyberg wurde 1979 geboren und ist im Südschwarzwald aufgewachsen. Ihr Werdegang beinhaltet: Abschluss der Akademie für Touristik, Freiburg, Fachfrau Marketing mit eidg. FA, Dipl. Hotelmanagerin NDS HF,Transaktionsanalytikerin in Ausbildung. Verena ist Vizepräsidentin der Vereinigung Diplomierter Hoteliers VDH (www.vdh.swiss) sowie Vorstandsmitglied des Zürcher Hoteliervereins. Seit 2012 ist sie die Direktorin der Sinn & Gewinn Hotels: www.sinnundgewinn.ch.

 

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